Auslandsmonate statt Auslandsjahr - Wie ein Virus alle Pläne umwerfen kann

 

Schulabschluss in der Tasche - doch was dann? Ausbildung? Studium? Vielleicht auch was ganz anderes?
Viele Schulabgänger sind sich so kurz nach dem Schulabschluss unsicher, in welche Richtung sie gehen wollen. Einige von ihnen gehen für eine bestimmte Zeit ins Ausland. Auch da bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, aus denen man wählen kann. Ein Jahr im Ausland kann man zum Beispiel durch einen Au-Pair-Dienst, ein FSJ, ein Work and Travel-Visum und viele andere Möglichkeiten so gestalten, wie es zu einem passt.
Auch Leonard Brenner hat sich nach seinem Schulabschluss nicht direkt für eine Berufsausbildung entschieden. Er wollte zunächst ein FSJ absolvieren. Dass das geplante Jahr sich aber nur auf 7 Monate beschränken würde, hatte er zu Beginn seiner Reise noch nicht gedacht.
Am 31. Augsut 2019 war es dann soweit. Leonard war im Volunteer Projekt der Redemptoristen und flog nach Argentinien, um dort sein Auslandsjahr in Córdoba zu beginnen.
Das Land hatte ihn schon immer gereizt. Da Leonard bereits Spanisch sprechen konnte, hat er sich für einen Aufenthalt in Peru oder Argentinien beworben. Die beiden Länder fand er besonders interessant, weil sie ihm sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Menge zu bieten haben.
familie_arg_516Untergebracht bei einer Gastfamilie, fing Leonard an, in einem Behindertenheim zu arbeiten. Seine Aufgaben waren es, unter anderem 19 schwerbehinderte Menschen zu füttern, sie ins Bett zu bringen oder die Wäsche im Heim zu machen. Trotz der für viele Menschen ungewohnten Arbeit, hatte Leonard keine Berührungsängste und hat sich schnell daran gewöhnt, dass die sowohl körperlich- als auch geistig behinderten Menschen fast alle im Rollstuhl saßen und, bis auf einer, niemand sprechen konnte. Mit der Zeit sind ihm alle Bewohner immer mehr ans Herz gewachsen. Auch mit seinen Kollegen vor Ort, verstand er sich sehr gut.

Doch mit dem Jahreswechsel, stand die ganze Welt vor einer neuen und bisher nie da gewesenen Herausforderung. Die Ausbreitung des Coronavirus wirkte sich natürlich auch auf Leonards Auslandsaufenthalt aus. Von dem Tag an, an dem sein Gastvater ihm Mitte März mitteilte, dass er am nächsten Tag nicht arbeiten gehen würde,  war es Leonard nicht mehr möglich, seine Arbeit fortzusetzen, geschweige denn weiter Kontakt zu den Menschen im Heim zu haben. Oberste Priorität war von diesem Zeitpunkt an der gesundheitliche Schutz, sowohl der Heimbewohner als auch der von Leonard.
Bevor er seine Rückreise nach Deutschland, circa zwei Wochen später, antrat, schrieb er einen Abschiedsbrief an seine Kollegen und musste sich sowohl von seiner Gastfamilie als auch von dem Land auf unbestimmte Zeit verabschieden. Leonard reiste mit gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite stand die Freude, seine Familie in Deutschland wieder zu sehen, auf der anderen Seite fiel ihm der Abschied natürlich schwer.
Zurück in Deutschland hat Leonard weiterhin Kontakt zu seiner Gastfamilie über WhatsApp. Zwar ist es nicht das gleiche, wie weiterhin vor Ort zu sein, doch ist es zumindest ein kleines Trostpflaster.
Auch mit seinen Arbeitskollegen steht er weiterhin in Kontakt und hofft weiterhin Bilder wie diese zu erhalten.
Da nach aktuellem Stand niemand weiß, wie sich die Krise weiterhin entwickelt, wird Leonard womöglich sein Auslandsjahr nicht wie geplant beenden können. Er ist nur einer von vielen, die ihre geplanten Auslandsaufenthalte frühzeitig beenden mussten. Zwar klingt das nach einem Luxusproblem, es stellt allerdings auch ein Problem für das Heim vor Ort dar. Es muss nun mit weniger Mitarbeitern als geplant arbeiten und zusätzlich einen höheren Sicherheitsstandard gewährleisten, um die Bewohner keinerlei Gefahr durch das Virus auszusetzen.
Es bleibt für alle weiterhin spannend zu sehen, wie sich die Situation weiterhin verändert.

 

Veröffentlicht am: 2020-04-28


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