KovalykSeliger Zynoviy Kovalyk

 
Zynoviy Kovalyk wurde am 18. August 1903 im Dorf Ivachiv Horishniy in der Nähe von Ternopil im Schoß einer armen Bauernfamilie geboren. Bevor er Ordensmann wurde, arbeitete er als Lehrer in der Elementarschule seines Dorfes. Er besaß einen starken Charakter und hat keinen Zweifel an seinen Glauben aufkommen lassen. Der Traum seiner Kindheit war, Priester zu werden. Nachdem er seine Berufung zum Ordensleben erkannt hatte, trat er in die Kongregation der Redemptoristen ein. Er legte seine Ordensgelübde am 28. August 1926 ab und wurde kurze Zeit später zum Studium der Philosophie und Theologie nach Belgien gesandt.
Nach seiner Rückkehr in die Ukraine wurde er am 9. August 1932 zum Priester geweiht. Am 4. September 1932 feierte P. Kovalyk die erste Liturgie in seinem Heimatdorf Ivachiv. Die kleinen Bildchen, die an seine Priesterweihe erinnern, tragen folgenden Text: "O Jesus, nimm mich (als Opfer) an zusammen mit dem Opfer deines Fleisches und Blutes. Nimm mich an für die Heilige Kirche, für meine Kongregation und für mein Heimatland." Christus hat diese Worte als reines Opfer angenommen. P. Kovalyk wusste nicht, dass es sich um prophetische Worte handelte und dass diese bald - genau neun Jahre später - in seinem Martertod Erfüllung finden sollten.
Nach seiner Weihe reiste P. Kovalyk zusammen mit Bischof Mykolay Charnetskyi in die wolhynische Region, um sich der Wiederversöhnung mit den orthodoxen Ukrainern zu widmen. Der junge Priester war eine wirkliche Freude für seine Mitbrüder. P. Kovalyk hatte einen guten Sinn für Humor, eine wunderbare Stimme und klare Diktion. Er war ein großer Sänger und als Prediger ein "Goldmund". Sein apostolischer Eifer zog Tausende Menschen an. P. Kovayk liebte die Mutter des Herrn mit seinem ganzen Herzen und legte ihr gegenüber eine große Verehrung an den Tag. Diese Eigenschaften brachten großen Erfolg in seine missionarischen Tätigkeiten.
Nachdem er mehrere Jahre in Wolhynien zugebracht hatte, begab er sich nach Stanislaviv (jetzt Ivano-Frankivsk), um in der Stadt und den umliegenden Dörfern Missionen abzuhalten. Unmittelbar vor dem sowjetischen Einmarsch 1939 reiste er nach Lemberg (Lviv) in das Redemptoristenkloster in der Zyblykevycha-Straße (jetzt Ivano-Franka) und übernahm das Amt des Ökonomen.
Der mutige Priester fuhr auch nach der sowjetischen Invasion in seiner Tätigkeit fort, das Wort Gottes zu verkünden. Ein bedeutender Teil seiner Tätigkeit war der Spendung des Bußsakramentes gewidmet, und gerade hierin hatte er besondere Erfolge zu verzeichnen. Es kamen immer viele Menschen zu ihm, um geistliche Hilfe zu erbitten.
Während die meisten galizischen Ukrainer vom Terror eingeschüchtert waren, zeigte P. Zynoviy bewundernswerte Tapferkeit. Die meisten Prediger waren äußerst vorsichtig in ihren Aussagen. Sie vermieden es, auf brennende Tagesfragen einzugehen und beschränkten sich darauf, die Menschen zur Treue zu Gott zu ermuntern. Im Gegensatz dazu zeigte P. Kovalyk keine Scheu, die von den Sowjets eingeführten atheistischen Bräuche öffentlich zu verurteilen. Seine Predigten erweckten großen Eindruck bei den Zuhörern, stellten aber gleichzeitig eine nicht geringe Gefahr für den Prediger selbst dar. Als ihn Freunde auf die möglichen Gefahren seiner Predigtweise aufmerksam machten, antwortete er: "Ich werde, wenn dies Gottes Wille sein sollte, den Tod gerne annehmen, aber ich werde niemals mein Gewissen als Prediger preisgeben".
Die letzte große Predigt hielt P. Kovalyk am 28. August 1940, dem Fest Maria Himmelfahrt. An diesem Tag hatte P. Kovalyk einige zehntausend Gläubige als Zuhörer. Sein alter Traum vom Martyrium sollte in wenigen Monaten in Erfüllung gehen.
In der Nacht vom 20. zum 21. Dezember 1940 drangen die Agenten der sowjetischen Geheimpolizei in das Redemptoristenkloster ein, um P. Kovalyk festzunehmen. Dies geschah wegen seiner Predigt während der Novene zum Fest der Unbefleckten Empfängnis, die in der Klosterkirche stattgefunden hatte. Bevor er seine Mitbrüder verließ, erbat er vom Oberen P. De Vocht den letzten Segen und die Absolution.
Obwohl die Redemptoristen längere Zeit um Informationen bezüglich ihres inhaftierten Mitbruders bemüht waren, erhielten sie erst im April 1941 die Nachricht, dass P. Kovalyk im Gefängnis in der Zamarstynivska-Straße (dem sogenannten "Brygidky-Gefängnis) untergebracht war. Während der sechs Monate seiner Gefangenschaft wurde P. Kovalyk 28 peinlichen Verhören unterzogen. Dreimal wurde er in andere Gefängnisse gebracht und dort verhört. Nach einem dieser Verhöre, das von besonders grausamen Folterungen begleitet war, erkrankte P. Kovalyk infolge des erlittenen beträchtlichen Blutverlustes schwer.
 
In der Zeit der Gefangenschaft setzte P. Kovalyk seine apostolische Tätigkeit fort. Er teilte eine kleine (4,20 mal 3,50 Meter) unmöblierte Zelle mit 32 anderen Mitgefangenen. P. Kovalyk betete zusammen mit den Gefangenen den dritten Teil des Rosenkranzes an Wochentagen sowie an Sonntagen den ganzen Rosenkranz. Dazu leitete P. Kovalyk liturgische Gebete. Im Monat Mai organisierte er Gebete zur Gottesmutter, und am Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie) lud er die Gefangenen zur Wasserweihe ein. Neben diesen Gebeten hörte P. Kovalyk Beichten, hielt geistliche Übungen (Exerzitien) und Katechesen und tröstete die Mitgefangenen, indem er ihnen in der ihm eigenen humorvollen Art verschiedene religiöse Geschichten erzählte. Kein Wunder, dass die Gefangenen - Menschen mit größten Bedürfnissen nach Hoffnung und Trost - P. Kovalyk wegen seiner apostolischen Gesinnung aufrichtig liebten.
Als die deutschen Truppen im Jahre 1941 ihre Offensive begannen, bereitete die Gefängnisleitung die Flucht vor. Da sie aber nicht imstande waren, alle Gefangenen mitzunehmen, wurden diese erschossen. Es war ihnen aber nicht genug, P. Kovalyk einfach zu erschießen, sondern, da sie sich seiner Predigten über den gekreuzigten Christus erinnerten, nagelten sie ihn vor den Augen seiner Mitgefangenen an die Wand des Gefängnisses.
Als die deutschen Truppen Lemberg (Lviv) betraten, öffneten sie sofort die Gefängnisse, um die Berge von Toten zu beseitigen, die bereits Spuren der Verwesung zeigten. Die Bevölkerung eilte in die Gefängnisse in der Hoffnung, ihre Angehörigen zu finden. Nach Augenzeugenberichten war der schrecklichste Anblick der eines an die Gefängniswand angenagelten Priesters, in dessen aufgeschlitzten Bauch ein toter menschlicher Foetus gesteckt worden war.
Zur Charakterisierung von P. Kovalyk können mit Recht die Worte der Vesper für Martyrer herangezogen werden, in denen vom glorreichen und unbesiegbaren Krieger gesprochen wird, der, bewaffnet mit dem Kreuz, den Feind besiegte und die Siegeskrone aus der Hand des eineinzigen Siegers und Herrschers empfängt, der für immer regiert. Für das Blutzeugnis von P. Zynoviy Kovalyk können als Illustration der Worte der Heiligen Schrift dienen: "Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand, und keine Qual kann sie mehr berühren. Denn wenn sie auch nach Ansicht der Menschen gezüchtigt wurden, so war doch ihre Hoffnung von Unsterblichkeit erfüllt. Ein wenig nur gezüchtigt, empfangen sie große Wohltaten. Denn Gott hat sie geprüft und sie seiner würdig erfunden" (Weish 3, 1. 4-5).
 
In Anbetracht der Zeugnisse über das tugendhafte Leben P. Kovalyks und insbesondere angesichts seiner Ausdauer, seines Mutes und seiner Treue zur Kirche Christi in der Zeit der Verfolgung wurde der Seligsprechungsprozess im Jubiläumsjahr eingeleitet. Am 2. März 2001 war dieser auf der Ebene der Diözese (Eparchie) abgeschlossen, und die Causa wurde dem Hl. Stuhl übergeben. Am 6. April 2001 anerkannte das theologische Komitee die Tatsache des Martyriums von P. Kovalyk, und am 23. April wurde dieses von der Versammlung der Kardinäle bestätigt. Am 24. April 2001 hat Papst Johannes Paul II. das Dekret der Seligsprechung von P. Zynoviy Kovalyk unterzeichnet und ihn damit zu einem seligen Märtyrer des christlichen Glaubens erklärt