In zehn Punkten

 

Die Provinz St. Clemens hat eine Broschüre herausgegeben, in der die Geschichte, die Mission und die Spiritualität der Redemptoristen kurz und knapp in zehn Punkten dargelegt wird. Das Dokument ist auch als PDF zu lesen.

 

1. Redemptoristen – Leben und Arbeiten in Gemeinschaft

 
Die Redemptoristen sind eine Ordensgemeinschaft. Unser vollständige Name lautet: Kongregation (Ordensgemeinschaft) des Heiligsten Erlösers. Das lateinische Wort für Erlöser ist „Redemptor“. Daher lautet unser Name Redemptoristen. Als Ordensmann lebt ein Redemptorist in Gemeinschaft und nach den evangelischen Räten (Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam).
Zurzeit gibt es ca. 5000 Redemptoristen, die als Ordenspriester und Ordensbrüder in nahezu allen Teilen der Welt leben. Wir sind in siebzig Ländern tätig. Der Generalobere mit seinem Rat bilden dabei das Leitungsorgan unserer Kongregation. Daneben gibt es verschiedene Gemeinschaften von Schwestern und aktiven Laien, die mit uns Redemptoristen verbunden sind.
Unsere Kongregation ist in kleinere Verwaltungseinheiten eingeteilt, die „Provinzen“ genannt werden. In unserer Provinz Sankt Clemens gibt es vier verschiedene Nationalitäten. Die Provinz umfasst die Niederlande, Flandern, den Nordwesten Deutschlands und die Schweiz.

 

2. Das tun, was andere unterlassen:  Alfons Maria de Liguori

 
Im Jahre 1732 entstand im kleinen Bergdorf Scala in der Nähe von Neapel in Süditalien die Idee, eine Kongregation zu gründen. Der junge Priester Alfons Maria von Liguori (1696-1787) war betroffen von der Tatsache, dass die Bewohner dieses Berggebietes keinerlei Seelsorge hatten. Diese Leute bildeten eine gesellschaftliche und kirchliche Randgruppe. Nach dem Beispiel Jesu wollte Alfons „den Armen die Frohe Botschaft verkündigen“ (Lk 4,18).
Alfons tat das, was andere Seelsorger damals unterließen. Zu diesem Zweck hielten Alfons und seine Mitbrüder die sogenannten Volksmissionen. Mittels einer Volksmission wurde der Glauben während einer Woche erneuert und intensiv gelebt.
Dieses traditionelle seelsorgliche Modell wird von uns Redemptoristen immer noch angeboten – oder bildet die Matrix, nach der unsere neuen Formen der missionarischen Pastoral gestaltet werden. Daneben sind wir Redemptoristen immer auf der Suche nach neuen Formen der Evangelisierung.

 

3. Kreativ mit den Chancen umgehen: Clemens Maria Hofbauer (1751-1820) 

 
Die weitere Geschichte zeigte, dass die Volkmissionen nicht immer möglich oder wirkungsvoll waren. Daher haben Redemptoristen auch ganz andere seelsorgliche Methoden entwickelt: intensive Besinnungsangebote (Exerzitien), Sozialpastoral, Sorge für Wallfahrtsorte, Großstadtseelsorge, Dialog mit der Wissenschaft, Medienseelsorge u.a. In der Wahl für neue Methoden waren und sind die Redemptoristen immer kreativ und innovativ.
Ein schönes Bespiel dieser Kreativität war Clemens M. Hofbauer (1751-1820), der die Kongregation nach Nord-Europa brachte und u.a. in Warschau und Wien arbeitete. In Warschau setzte er sich für Waisenkinder ein, in Wien verteilte er Lebensmittel an die Armen und suchte aktiven Kontakt zur meinungsbildenden Elite und zur kulturellen Oberschicht.
Vom hl. Clemens stammt das bekannte Motto: „Wir müssen das Evangelium auf eine ganz neue Weise predigen.“ Wenn die alten Wege versperrt waren, fand er doch immer neue Wege und Möglichkeiten zur Verkündigung.

 

4.  Eine Gemeinschaft, die die Frohe Botschaft verkündigt…

 
Die Mission der Redemptoristen, unsere Verkündigung, ist grundsätzlich am Evangelium orientiert und einfach gehalten. Wir streben danach Jesus nachzufolgen, besonders in der Verkündigung der Frohen Botschaft an die Armen. Wir leben dabei als Gemeinschaft im Gebet und aus der Quelle der Frohen Botschaft und bringen diese Quelle auch anderen nahe. Dabei
stellen wir uns vor allem auf seelsorgerische Notsituationen ein.
Dies bedeutet, dass wir Redemptoristen vor allem auf die Menschen zugehen, die das Evangelium nicht erreicht hat, weil sie keinen Kontakt zur üblichen Seelsorge haben oder weil sie sich von der Kirche entfremdeten. Redemptoristen wollen Christen sein, die dorthin gehen, wo andere nicht hingehen wollen oder dürfen, um genau diesen Menschen in der Nachfolge Jesu Christi das Evangelium zu verkündigen; genau wie Alfons, Clemens und viele andere Redemptoristen das gemacht haben.

 

5. … die Armen.

 
Redemptoristen haben eine Vorliebe für Arme, Schwache und Unterdrückte, in denen sie das Gesicht Christi sehen (Mt. 25,40). Diesen Menschen verkündigen sie die Frohe Botschaft in Wort und Tat, indem sie sich auch für Befreiung und Gerechtigkeit einsetzen und solidarisch anwesend sind.
Es gab schon immer Redemptoristen, die sich, neben ihrer Missionsaufgabe, unmittelbar und tatkräftig für die Armen und Unterdrückten ein­gesetzt haben. Der selige Petrus (‚Peerke‘) Donders ist hierfür ein gutes Beispiel. Im neunzehnten Jahrhundert hat er sich für die Aussätzigen und Sklaven in Surinam eingesetzt.

 

6. “Bei Ihm ist Erlösung in Fülle.”

 
„Bei Ihm ist Erlösung in Fülle“ (Psalm 13o) heißt das Motto der Redemptoristen. Als Gemeinschaft leben wir aus der Erkenntnis, dass wir selbst erlöste Menschen sind. Wir möchten weltweit zusammenarbeiten, damit diese Erlösung auch heute weiterwirken kann. Dies bedeutet ganz konkret, dass wir aus dem Vertrauen leben, dass Gott uns unendlich liebt. Das bedeutet auch zu glauben, dass diese Liebe in Jesu Christus eine mensch-liche Form angenommen hat. In IHM hat der menschenfreundliche Gott ein wirkliches Gesicht und einen Namen bekommen. Gott will uns von allem, was das volle Leben zerstört, befreien und
erlösen. Niemand ist dazu verurteilt, Gefangener seiner alten Fehler oder unmenschlicher gesellschaftlicher Bedingungen zu sein.
Die Erlösung, die Jesus geschenkt hat, gilt dem ganzen Menschen und zielt auf das Wachstum aller menschlichen Werte. Der hl. Alfons war ein besonderer geistlicher Begleiter, der fest an die Befreiung des Menschen von den Lasten der Sünde und der Vergangenheit und an die Ermöglichung neuen Wachstums glaubte.

 

7. Gott ist nahe in Christus

 
Unser Gründer, der hl. Alfons, hat die Redemptoristen gelehrt, unsere Glaubensverkündigung und Frömmigkeit ganz lebensnah zu halten und zu den Herzen der Menschen zu sprechen. Die direkte Nähe Gottes in Christus ist der Kern unserer Spiritualität. Gott ist im Gebet immer erreichbar und ansprechbar. Die Christozentrik prägt uns und unsere Seelsorge.
Redemptoristen haben großen Re­spekt für die verschiedensten Arten der Volksfrömmigkeit. Wir fördern die Verehrung der Mutter von der immerwährenden Hilfe, unserer Marienikone.
Einige besondere Redemptoristen sind heilig- oder seliggesprochen worden. Diese Redemptoristen in­spirierten viele Menschen. Sie sind zu Mittelpunkten der Verehrung und der Frömmigkeit geworden. Der heilige Bruder Gerard Majella (1726-1755) ist einer dieser besonderen Redemptoristen. Ihm wurde der Pilgerort in Wittem (NL) gewidmet.

 

8. Eine Moral der Befreiung

 
Alfons war ein sehr aktiver Schriftsteller. Er war denn auch der Meinung, seine zahlreichen schriftlichen Publikationen seien eine gute Methode zur Verbreitung der Frohen Botschaft. Er schrieb nicht nur populär-religiöse Bücher, sondern auch viele wissenschaftliche Werke.
Wir Redemptoristen haben dieses Interesse für die Wissenschaft, vor allem für die Moraltheologie und die praktischen Fächer, die Alfons als Unterstützung für den guten Beichtvater oder den geistlichen Begleiter betrachtete, von ihm geerbt.

Die Moraltheologie von Alfons war eng mit seinem Glauben und seiner Vorstellung von Jesus als dem Erlöser verbunden. Nach Alfons ist der Weg zum Heil und Segen für niemanden verschlossen und niemand ist für immer verloren. Ein Neubeginn ist immer möglich. Bei schweren persönlichen Entscheidungen, die Menschen treffen mussten, hatte er immer großen Respekt für das persönliche Gewissen und die menschliche Freiheit.
Zugleich stellte er an sich selbst hohe Ansprüche und erwartete von sich und auch von den anderen, dem Idealbild des Reiches Gottes nachzustreben.

 

9. Ständige Erneuerung und Dialog

 
Redemptoristen versuchen radikal und kompromisslos zu sein in ihrer Treue zu ihrem Ideal: der Verkündigung der Frohen Botschaft. Zugleich versuchen wir in der Gestaltung dieses Ideals immer großherzig, pragmatisch und kreativ zu sein.
Unsere großen Vorbilder in unserer Tradition und die vielen modernen Nachfolger haben immer wieder neue Formen zur Verkündigung des Evangeliums gesucht und gefunden.
Redemptoristen sind denn auch an ungewöhnlichen Stellen zu finden: in der Schule, in den Massenmedien, in der Bildungsarbeit, in der Gefängnisseelsorge, im Streetwork mit Jugendlichen und Randgruppen usw. Wir steigen immer wieder in den Dialog mit der heutigen Welt ein. Wir sehen in dieser Welt ein Zeichen der Anwesenheit Gottes und verstehen sie als die Stimme Gottes.

 

10. Eine ganze Familie

 
Weltweit sind etwa 5000 Ordensleute (Brüder und Patres) Mitglieder der Kongregation des Heiligsten Erlösers (abgekürzt C.Ss.R., von lateinisch „Congregatio Sanctissimi Redemptoris“). Immer wieder folgen junge Männer dem Ruf Gottes und entscheiden sich für ein Leben als Ordensmann in unserer Mitte.

Wir teilen unsere Idee und Inspirationsquelle mit vielen Menschen. Zusammen mit der kontemplativen Gemeinschaft der Redemptoristinnen (O.Ss.R) und den  Missionsschwestern des Heiligsten Erlösers (M.Ss.R.)  tragen wir das Evangelium in die Welt hinaus.
Das geschieht heute immer häufiger in der Zusammenarbeit mit enga-gierten Laien. Es gibt in der Provinz St. Clemens assoziierte Mitglieder: Laien, Männer und Frauen, die sich entschieden haben, ihr Leben von unserem redemptoristischen Charisma inspirieren zu lassen. In der redemp­toristischen Familie gibt es Möglichkeiten (Wohnungen) für viele.